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Ъ – Buchstabe Härtezeichen, Russische Schreibschrift

Ъ – Buchstabe Härtezeichen, Russische Schreibschrift

Ъ, das „harte Zeichen“, ist der achtundzwanzigste Buchstabe des russischen Alphabets. Vor der Reform von 1918 stand es am Wortende nach Konsonanten – deshalb wimmelt es in alten Dokumenten davon.

GedrucktЪ ъ
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Klingt wieHärtezeichen (stumm)
GedrucktЪ ъ
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Klingt wieHärtezeichen (stumm)
handwritten lowercase Härtezeichen in Russische Schreibschrift
Kleinbuchstabe
handwritten uppercase Härtezeichen in Russische Schreibschrift
Großbuchstabe

Geschichte

Im heutigen russischen Alphabet heißt Ъ „hartes Zeichen“, твёрдый знак; so nennen es auch einige Varietäten des Russinischen, in denen daneben der Name ір vorkommt. Anderswo trägt derselbe Buchstabe andere Namen: Jer im Altkirchenslawischen, er golyam („großes Er“) im bulgarischen Alphabet, debelo jer („dickes Jer“) in der serbischen Rechtschreibung vor der Reform und ayirish belgisi im usbekischen kyrillischen Alphabet. Ursprünglich bezeichnete das Jer im Altkirchenslawischen einen ultrakurzen, reduzierten gerundeten Vokal mittlerer Zungenhöhe; es ist einer der beiden reduzierten Vokale, die die slawische Philologie unter dem Namen Jers zusammenfasst.

Die von Alexei Schachmatow vorbereitete und kurz nach der Revolution vom November 1917 umgesetzte Reform erklärte das altertümliche stumme Jer für entbehrlich, auch das ъ am Wortende nach Konsonanten. Damit verschwand praktisch der letzte schriftliche Rest des altslawischen Systems offener Silben: Aus Рыбинскъ wurde Рыбинск, aus Петроградъ wurde Петроград, aus Іисусъ Христосъ wurde Иисус Христос. Nach der Rechnung von Lew Uspenski wurde ein Text allein durch den Wegfall des auslautenden Ъ um etwa ein Dreißigstel kürzer. In der Praxis räumte man das Ъ meist gleich vollständig aus den Druckereien, zusammen mit І, Ѵ und Ѣ. Für seine trennende Aufgabe bürgerte sich deshalb der Apostroph ein – под'ём und ад'ютант statt подъём und адъютант –, und dieser Ersatz galt bald als Bestandteil der Reform, obwohl der Erlass ihn gar nicht verlangt hatte.

Die Hand, in der solche Schluss-ъ in alten Briefen stehen, ist die russische Kursive. Sie entwickelte sich im 18. Jahrhundert auf der Grundlage der Skoropis, jener Kanzleischrift des 14. bis 17. Jahrhunderts, deren Wurzeln in den älteren kyrillischen Buchschriften Ustav und Poluustav lagen, und wurde zum handschriftlichen Gegenstück der bürgerlichen, auch petrinisch genannten Buchdruckschrift.

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