Р – Buchstabe Er, Russische Schreibschrift
Р, „Er“ genannt, ist der achtzehnte Buchstabe des russischen Alphabets und steht für den alveolaren Vibranten /r/, ein mit der Zungenspitze gerolltes r und nicht das im Deutschen vorherrschende Zäpfchen-r.
In Wörtern
Тарханкут · Tarchankut · ein Kap auf der Krim
брат · Bruder
сестра · Schwester


Geschichte
Das р steht an achtzehnter Stelle des heutigen russischen Alphabets und wird in der Transliteration als r wiedergegeben. Meist bezeichnet es den alveolaren Vibranten /r/: ein mit der Zungenspitze gerolltes r, wie es manche Sprecher in Bayern oder der Schweiz verwenden, und gerade nicht das Zäpfchen-r, das im Deutschen überwiegt.
Wer russische Handschrift liest, trifft diesen Buchstaben fast immer in Schreibschrift an, kaum je in Blockbuchstaben. Die russische Schreibschrift ist die handschriftliche Form der modernen russischen Kyrilliza; das meiste von Hand geschriebene Russisch, private Briefe ebenso wie Schulhefte, bedient sich ihrer, und an russischen Schulen lernen die meisten Kinder schon ab der ersten Klasse, in ihr zu schreiben. Auch die Kleinbuchstaben russischer Kursivtypen beruhen weitgehend auf diesen Schreibformen, weshalb eine kursiv gesetzte Druckseite einem Manuskript näherstehen kann als eine aufrecht gesetzte.
Die Abstammung dieser Schrift lässt sich verfolgen. Sie entstand im 18. Jahrhundert auf der Grundlage der Skoropis, der eiligen Kanzleihand des 14. bis 17. Jahrhunderts, die ihrerseits auf die älteren kyrillischen Buchschriften Ustav und Poluustav zurückging. Neben die bürgerliche oder petrinische Druckschrift der Bücher trat sie als deren handgeschriebenes Gegenstück.
Im Lauf jener Jahrhunderte wandelte sich die Skoropis erheblich. Anfangs setzten sich ihre Zeichen vor allem aus geraden Linien zusammen; in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und besonders zu Beginn des 17. wurden Halbkreisbögen zu den tragenden Linien der Schrift, und gegen Ende dieses Jahrhunderts waren die runden Umrisse glatter und schmuckvoller geworden. Die Vereinheitlichung der Buchstabenformen im 18. und 19. Jahrhundert, in Kanzleien wie in Schulen, brachte schließlich die Handschrift hervor, die heute gebräuchlich ist.