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Ь – Buchstabe Weichheitszeichen, Russische Schreibschrift

Ь – Buchstabe Weichheitszeichen, Russische Schreibschrift

Ь, das „weiche Zeichen“, hat im Russischen keinen eigenen Lautwert; es zeigt an, dass der vorangehende Konsonant palatalisiert ist. Im Altkirchenslawischen war es noch ein kurzer oder reduzierter Vorderzungenvokal.

GedrucktЬ ь
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Klingt wieWeichheitszeichen (erweicht den Laut davor)
GedrucktЬ ь
ÜbenÜbenA4US-Letter
Klingt wieWeichheitszeichen (erweicht den Laut davor)

In Wörtern

письмо

письмо · Brief

жизнь

жизнь · Leben

handwritten lowercase Weichheitszeichen in Russische Schreibschrift
Kleinbuchstabe
handwritten uppercase Weichheitszeichen in Russische Schreibschrift
Großbuchstabe

Geschichte

Ь, das weiche Zeichen, ist ein Buchstabe der kyrillischen Schrift, den mehrere slawische Sprachen verwenden. Im Altkirchenslawischen stand er für einen kurzen oder reduzierten vorderen Vokal; dieser Laut verschwand jedoch im Lauf der Zeit weitgehend und ging in anderen Vokalen auf. In den meisten heutigen slawischen Schriftsystemen auf kyrillischer Grundlage – den ostslawischen für Russisch, Ukrainisch und Weißrussisch ebenso wie im Kirchenslawischen – hat das weiche Zeichen keinen eigenen Laut mehr. Es dient vielmehr als sichtbare Markierung dafür, dass der vorausgehende Konsonant palatalisiert ist. Palatalisierung heißt: Beim Sprechen eines Konsonanten hebt sich der mittlere Teil der Zunge zum harten Gaumen, wodurch der Konsonant eine palatale Färbung erhält oder ganz zum palatalen Konsonanten wird. Im Russischen steht das Zeichen oft genau zu diesem Zweck nach Konsonanten, und wie es sich auswirkt, hängt vom jeweiligen Konsonanten ab. Das Bulgarische setzt es viel sparsamer ein, nur vor dem Buchstaben o, wo die Verbindung ьо /ʲo/ ergibt, etwa im Wort гьол. In der litauischen Dialektologie kann es außerdem hochgestellt als ꚝ erscheinen.

Wer ältere Dokumente liest, sollte hier eine Gewohnheit der Kanzleihand kennen. Die Skoropis entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus dem Halbustav und wurde vor allem in Ämtern und in der privaten Kanzleiarbeit gebraucht. Gegenüber dem Halbustav zeichnet sie sich durch Wortkürzungen aus, durch Buchstaben, die bis an den oberen Rand der Zeile reichen, durch eine insgesamt vereinfachte Rechtschreibung – und dadurch, dass sie etymologisches -ъ und -ь weglässt. Ein weiches Zeichen, das ein heutiger Leser aus etymologischen Gründen am Wortende erwartet, steht dort also unter Umständen schlicht nicht.

Auf dieser schnellen Laufschrift baute im 18. Jahrhundert die russische Kursive auf. Die Skoropis selbst war vom 14. bis 17. Jahrhundert die Hand der Kanzleien gewesen, hervorgegangen aus den älteren kyrillischen Buchschriften Ustav und Poluustav, und die Kursive wurde zum handschriftlichen Seitenstück der bürgerlichen oder petrinischen Buchdruckschrift. Eine einheitliche Skoropis gab es dabei nie: Jeder Schreiber bildete und verband seine Buchstaben auf eigene Art. Auch bei einem fraglichen ь bleibt daher nur der Vergleich mit bereits gelesenen Abschnitten desselben Textes – eine Fertigkeit, die man vor allem durch Übung erwirbt.

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