Ё – Buchstabe Jo, Russische Schreibschrift
Ё ist der siebte Buchstabe des modernen russischen Alphabets, wird [jɵ] ausgesprochen und ist aus Е abgeleitet. Sein Gebrauch war erst verpflichtend, dann freigestellt, und der Druck setzt ihn seit Langem nur gezielt ein; deshalb steht in Dokumenten häufig е, wo ё gemeint ist.
Leicht zu verwechseln mit
Sieht aus wie Е (Je)
Ё ist aus Е abgeleitet, und über weite Strecken seiner Geschichte wurden die beiden überhaupt nicht auseinandergehalten: Vor 1942 galt Ё meist als Abwandlung des Е und nicht als eigener Buchstabe. Auf der Seite trennt sie allein das Zeichen darüber, und dieses Zeichen ist fakultativ. Nach dem Erlass von 1942 kehrte die typographische Praxis dazu zurück, Ё nur gezielt zu setzen, um die Aussprache seltener Wörter anzuzeigen und Wörter zu unterscheiden, die sonst Homographen wären, und bis 1952 war es ausdrücklich für fakultativ erklärt worden. Lesen Sie ein bloßes е in einem Wort, das ё verlangt, als eben dieses Wort; ein fehlendes Zeichen beweist kein anderes Wort.


Geschichte
Ё ist der siebte Buchstabe des modernen russischen Alphabets, im Russischen [jɵ] gesprochen. Abgeleitet ist er vom kyrillischen Buchstaben Je (Е е). Unicode führt ihn als CYRILLIC CAPITAL bzw. SMALL LETTER IO. Die Umschrift unterscheidet sich je nach System: ë bei ALA-LC und den British Standards, ë mit yë am Wortanfang bei BGN/PCGN sowie yo oder jo als orthographische Transkription für das Russische; für das Belarussische steht i͡o bei ALA-LC, yo bei BGN/PCGN und ë bei BSI. Die internationale Praxis nach ISO 9 verwendet ë.
Seine Stellung im Alphabet hat sich mehr als einmal verschoben, und genau deshalb gehen Dokumente so uneinheitlich mit ihm um. Die Einführung des ё zählt zu den verschiedenen Anpassungen, die die russische Rechtschreibung im Lauf des 19. Jahrhunderts erfuhr. Die Reform von 1918 legte für das weibliche Pronomen im Genitiv wie im Akkusativ eine einzige Schreibung fest, ее bzw. нее, und vermerkte её und неё als Form mit dem fakultativen Buchstaben Ё. Im Dezember 1942 machte der Erlass Nr. 1825 des Volkskommissariats für Bildung die Verwendung des Ё verbindlich; seither wird er an den Schulen als siebter Buchstabe des russischen Alphabets gelehrt. Vor 1942 galt er meist als Abwandlung des Е und nicht als eigener Buchstabe.
In der Praxis hielt diese Vorschrift nicht. Die konsequente Verwendung des Ё setzte sich in allgemeinen Veröffentlichungen nie durch, und die übliche typographische Praxis kehrte zum gezielten Einsatz zurück: um die Aussprache seltener Wörter anzuzeigen und um Wörter zu unterscheiden, die sonst Homographen wären. Bis 1952 hatten die Bestimmungen zur Korrektur von Schularbeiten, die Große Sowjetische Enzyklopädie und das Handbuch für Setzer von K. I. Bylinsky den Buchstaben sämtlich für fakultativ erklärt; als einer der Gründe wurde die Unsicherheit genannt, wo Ё in älterer Literatur zu setzen sei. Rechnen Sie also damit, dass der Buchstabe an Stellen fehlt, an denen das Wort ihn verlangt.
Geschrieben sind diese Dokumente in russischer Schreibschrift. Sie entstand im 18. Jahrhundert aus der Skoropis, einer älteren tachygraphischen Schnell- oder Laufschrift des Kyrillischen; die Skoropis selbst war zwischen dem 14. und dem 17. Jahrhundert die Schrift der Kanzleien und eine Nachfahrin der Buchschriften Ustav und Poluustav. Ihr Ableger wurde zur geschriebenen Entsprechung jener bürgerlichen, auch petrinisch genannten Druckschrift, in der man Bücher setzte.