Ю – Buchstabe Ju, Russische Schreibschrift
Ю ist ein Buchstabe der kyrillischen Schrift, den die ostslawischen Alphabete und das bulgarische verwenden; englische Umschriften geben ihn meist als yu oder ju wieder. Zugleich greift das Russische zu ihm, wenn es das englische u in offenen Silben oder den Digraphen ew wiedergeben will.


Geschichte
Ю gehört zur kyrillischen Schrift und steht in den ostslawischen Alphabeten ebenso wie im bulgarischen. Englischsprachige Umschriften machen daraus meist yu oder ju, sodass Ihnen ein und derselbe Name in englischen Quellen in beiden Gestalten begegnen kann. Auch in der Gegenrichtung kommt der Buchstabe zum Zug: Wo er zur Verfügung steht, schreibt das Russische mit ю das englische u in offenen Silben und den Digraphen ew, und selbst der Laut [y], im Französischen u und im Deutschen ü geschrieben, lässt sich damit annähernd wiedergeben.
Wer einen handschriftlichen russischen Text vor sich hat, sieht das ю fast immer in Schreibschrift und nicht in den Blockbuchstaben gedruckter Texte. Diese Kursive ist die Handschriftform des modernen russischen Kyrillisch, und Privatbriefe wie Schulhefte sind größtenteils in ihr abgefasst. Die meisten Kinder lernen sie in russischen Schulen schon ab der ersten Klasse. Lateinische Handschriften reichen von voll verbundenen Zügen bis zu beinahe druckähnlichen, und gemischte Systeme sind dort verbreitet; im Russischen hingegen gilt es als selbstverständlich, nahezu ausschließlich kursiv zu schreiben. Ein von Hand beschriebenes Blatt zeigt diesen Buchstaben deshalb in aller Regel in seiner Schreibschriftform.
Die Schrift hat eine lange Ahnenreihe. Im 18. Jahrhundert bildete sie sich aus der Skoropis heraus, der eiligen, laufenden Kanzleihand des 14. bis 17. Jahrhunderts, die ihrerseits auf die älteren kyrillischen Buchschriften Ustav und Poluustav zurückging. Sie wurde zum handschriftlichen Pendant der bürgerlichen oder petrinischen Druckschrift, in der man Bücher setzte, und die Kleinbuchstaben heutiger kyrillischer Kursivtypen folgen größtenteils ihren Formen.
Die Skoropis selbst liest sich mühsamer als ihre Nachfolgerin. Ihre Buchstaben wechselten die Gestalt je nach Nachbarn, Abkürzungen und Ligaturen gab es in großer Zahl, und jeder Schreiber hatte seine eigene Hand mit eigenen Gewohnheiten, Buchstaben zu formen und zu gruppieren. Eine unklare Stelle muss man daher mit bereits entzifferten Teilen desselben Textes abgleichen, eine Fertigkeit, die man vor allem durch Übung erwirbt.