Ш – Buchstabe Scha, Russische Schreibschrift
Ш ist der sechsundzwanzigste Buchstabe des russischen Alphabets und steht für einen Zischlaut nahe dem deutschen „sch“, genauer für einen stimmlosen retroflexen Frikativ. In der Schreibschrift setzt er sich aus demselben Bauteil zusammen wie и, л, м, щ und ы, weshalb manche Folgen dieser Buchstaben ohne weiteren Zusammenhang nicht zu lesen sind.
In Wörtern
дедушка · Großvater
бабушка · Großmutter
тишина · Stille
Leicht zu verwechseln mit
Sieht aus wie w (lateinisches w)
ш besteht aus drei Abstrichen, die flach auf der Grundlinie stehen. Ein lateinisches Schreibschrift-w setzt sich aus zwei V-Formen zusammen, und seine Verbindungen laufen spitz zu, statt in einem flachen Fuß zu enden.


Geschichte
Ша gehört sowohl zur glagolitischen als auch zur kyrillischen Schrift und kommt in sämtlichen Spielarten des kyrillischen Alphabets vor, bei slawischen wie bei nichtslawischen Sprachen. Meist bezeichnet es den stimmlosen postalveolaren Frikativ /ʃ/, also das „sch“ in „Schuh“. Für das Russische greift diese Angabe allerdings zu kurz: Der Laut des ш wird oft fälschlich als palatoalveolarer Frikativ transkribiert, tatsächlich handelt es sich um einen stimmlosen retroflexen Frikativ /ʂ/. In englischen Texten wird er als sh umschrieben oder als š – mit jenem Zeichen, das ihm in den lateinischen Alphabeten des Tschechischen, Slowakischen, Slowenischen, Serbokroatischen, Lettischen und Litauischen entspricht.
Beim Entziffern ist das kleine ш ein Teil eines Baukastens. Die Buchstaben и, л, м, ш, щ und ы bestehen ganz oder teilweise aus ein und demselben Strich, der aussieht wie ein lateinisches Schreibschrift-ı ohne Punkt, ein kursives griechisches ι oder ein halbes geschriebenes u. Wie sich eine Kette solcher Striche aufteilt, lässt sich mitunter erst entscheiden, wenn man die Sprache beherrscht oder den weiteren Kontext kennt. So sehen лш in волшебник („Zauberer“) und ми in домик („Häuschen“) auf dem Papier gleich aus, und лишишь („du wirst berauben“) ist fast nur aus diesen Strichen gefügt. Bei manchen Schreibern verschwimmt außerdem die Grenze zwischen т und ш, weil beide die Gestalt eines 𝑚 oder eines ɯ annehmen können.
Die Schreibschrift, in der einem das ш in alten Briefen begegnet, bildete sich im 18. Jahrhundert heraus. Ihr Fundament war die Skoropis, die Kanzleihand des 14. bis 17. Jahrhunderts, die ihrerseits auf die älteren kyrillischen Buchschriften Ustav und Poluustav zurückging. Sie wurde zum geschriebenen Pendant der sogenannten bürgerlichen oder petrinischen Druckschrift, und noch heute ist sie die Hand, in der Russisch in privaten Briefen und Schulheften zumeist geschrieben wird.